EM-Qualifikation bei RTL – Verständnis für die Werbung, Kritik an dem Drumherum!

Bis zu 13,84 Millionen sahen in der Spitze die Partie zwischen Deutschland und Georgien bei RTL – Zuletzt gab es viel Kritik an der Berichterstattung, teilweise ist diese aber auch gerechtfertigt!

Am Montagmorgen gab es in Köln sicher ein fröhliches High-Fiven der Senderverantwortlichen. Traumquoten auch gegen Georgien. Für RTL sind die Qualifikations-Rechte an der Nationalmannschaft eine gelungene Investition. Natürlich möchte der Sender die Rechte entsprechend refinanzieren. Das geht eben nur durch Werbung, da RTL keine drölfzig Milliarden an Gebühren einnimmt. Wer RTL dafür „ernsthaft“ kritisert, hat sich nie wirklich mit dem Thema beschäftigt.

Ich gebe ja zu, es ist durchaus amüsant mitzustoppen, wie lange die Halbzeitberichterstattung bei RTL andauert, aber das ist eher ein Running-Gag, als echte Kritik.

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RTL hat im Sport nicht unbedingt das beste Image, weil sie ihre Übertragungen zu Events aufblasen, bei dem das Hauptprodukt, also der Sport, eher zur Nebensache wird. Journalistisch ist das größtenteils leider nur halbgar, mit teilweise größeren Fremdschäm-Momenten.

Mein Highlight war das Interview mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der von RTL-Reporter Klaus Jakob geduzt wurde. Mit der Aussage: „Schwamm drüber, Wolfgang, feiert schön.“ hat sich der RTL-Reporter verabschiedet.

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Quelle: RTL

Wo ist die journalistische Distanz, sowie kritisches Nachfragen? Das hatte eher was von einem Fan-Interview mit jemandem, dem man nicht weh tun will. Aber als Journalist hat man die Pflicht, auch mal kritisch nachzufragen.

Dieses Beispiel ist schlichtweg eines von vielen, welches zeigt, dass RTL sich natürlich freut, die Nationalmannschaft übertragen zu dürfen, aber genauso auch zu sehr im Hintern der Beteiligten verschwindet. „Nur nicht weh tun“, scheint hier die Devise zu sein.

Lustige Schalten sind ja normal bei RTL. Auch mir, hat die Würstchenbude den Rest gegeben. Emotionen sind schön und gut, sie bieten dem Zuschauer am TV nur keinen Mehrwert. Es ist Zeitverschwendung.

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Kommen wir nun zum Duo Florian König und Jens Lehmann. Ich schätze Florian König, vor allem bei der Formel 1. Beim Fußball wirkt er auf mich trotzdem wie ein Fremdkörper. Auch seine Interviews mit Jogi Löw am Ende der Spiele sind nicht überzeugend, kritische Nachfragen gibt es nicht. Wenn welche kommen, dann nur von Jens Lehmann. Und der, scheint komplett unterfordert zu sein. Wer ihn bei Sky gesehen hat weiß, dass er im Grunde ein guter Experte ist, wenn er denn gefordert wird.

20Es passt einfach nicht zwischen König & Lehmann. Keine gute Chemie, man spürt, dass es Lehmann schwer fällt, König so wirklich ernst zu nehmen. Darunter leidet die gesamte Berichterstattung, weil so das Zusammenspiel zwischen Moderator und Experte kaum vorhanden ist und keinen Mehrwert bietet.

Ganz schlimm sind auch die Interviews mit den Spielern nach den Partien. Felix Görner stellt keine kritischen Fragen, wirkt wie der Pressesprecher der Spieler und fasst sie mit Samthandschuhen an. Wie oben beschrieben, niemals weh tun. In der ARD spürte man bei den Fragen, aber auch der Aufarbeitung deutlich höhere, journalistische Kompetenz. Der Fußball und die Leistungen standen im Vordergrund.

Die Vor- und Nachberichterstattung bei RTL ist auf Hype & Emotionen ausgelegt. Die „journalistische“ Arbeit bleibt dabei auf der Strecke, zumindest bei den Rahmenberichten.

Keiner hat es am Sonntag so schön erklärt, wie Ulli Potofski, der twitterte:

21… es ist auch so. Der Sender, der die Nationalmannschaft live überträgt, wird mit dem „Live“-Spiel absolute Top-Quoten holen. Egal, ob er im Vorfeld die Mannschaft ins Camp zu „Bauer sucht Frau“ schickt oder mit ihnen gemeinsam in die Sauna geht. Völlig irreleavant.

Trotz allem, sollte eine Statistik RTL zu denken geben. Nach dem Livespiel, haben flockige 10 Millionen Zuschauer ausgeschaltet und keine Highlights mehr verfolgt. Etwas über 3 Millionen sahen also die restliche „Berichterstattung“. Selbstverständlich haben viele ausgeschaltet, weil sie nur das Spiel sehen wollten, aber einige sicher auch, weil sie in den Nachberichten keinen Mehrwert bekommen. Ein Interview mit Jogi, der Espresso trinkt und in Watte gepackt wird, überzeugt dann doch recht wenige, einfach dranzubleiben, auch wenn es noch Highlights zu den anderen Spielen gibt.

Eine eindeutige Meinung zum Thema hat Felix Kroos, der Bruder von Nationalspieler Toni Kroos!

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Ganz so krass sehe ich das nicht. Aber: Von einem Sender, der Spiele der Nationalmannschaft überträgt, erwarte ich als Zuschauer, dass er dies mit journalistischer Kompetenz tut. Hier gibt es momentan gravierende Probleme! Es fehlt eine kritische Betrachtung, journalistische Distanz und vor allem eine Auslegung, die mehr auf den Sport, weniger auf den Hype, bedacht ist.

Marco Hagemann als Kommentator kann alleine nicht auffangen, was teilweise einfach schief läuft.

Fußball bei RTL kann funktionieren, aber dafür muss man einfach mal seinen Job machen. Und zwar ernsthaft, sachlich und kritisch. Sonst wird niemand die Rahmenberichte ernst nehmen, sondern weiterhin gegen 20:40 Uhr einschalten und nach Spielende wieder abschalten.

Geschrieben von Florian Hellmuth

Ein Kommentar

  1. Ich kann mich eigentlich allem nur anschließen.

    Anfangs dachte ich ja, dass Jens Lehmann für mich das größte Problem sein würde, da seine Expertisen in englischsprachigen Übertragungen nicht immer mein Fall waren (ich habe kein [deutsches] Sky), aber er ist ja noch das beste, was RTL abseits des Spiels zu bieten hat. Manchmal tut er mir mit König an der Seite auch etwas aus den von dir angesprochenen Gründen leid.

    Ich habe RTL auch anfangs noch so halbwegs verteidigt und gedacht, dass man ihnen einfach auch Zeit einräumen sollte (dass viel Werbung läufen würde, war ja zu erwarten), aber die Vorberichte schaue ich mir ehrlicherweise schon gar nicht mehr an.

    Ich war in Leipzig vor Ort und habe mir danach die Aufzeichnung angesehen und dass von dir angesprochene Interview mit Niersbach… Als er „Schwamm drüber, Wolfgang. Feiert schön.“ sagte, dachte ich nur: „Das hat er jetzt nicht wirklich gesagt, oder?“. Dieses Interview hatte schon Fremdschämcharakter.

    Vor allem denke ich, dass RTL durchaus die Mittel und die Fähigkeiten hätte und das ganze „ordentlich“ über die Bühne bringen könnte. Vor allem sollte man sich vielleicht dem Zuschauer anpassen.
    Das Konzept geht einfach nicht auf und man sollte es ändern und „seriös“ und vor allem „informativer“ werden.
    Manchmal stelle ich mir vor, dass sie nicht Marco als Kommentator verpflichtet haben, sondern wen anders und dann wird mir.. ganz anders ;)

    Was ich RTL aber zugute halte: Sie benutzen ihre Schwesterkanäle bzw -kanal und zeigen mehr als nur ein Spiel pro Spieltag. Das bekommen ARD/ZDF ja meistens- wenn überhaupt- nur zu EM/WM hin.

    Gefällt mir

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