#ranboxen – Zwischen ausbaubarer SoMe-Kommunikation, Mini Playback Show und qualitativ hochwertiger Berichterstattung!

Die Gesamtreichweite gestern Abend lag bei schwachen 2,04 Millionen Zuschauern. Teilweise hat das Gründe, die nicht nur „sportlicher“ Natur sind.

Boxen bei Sat1 ist eine Marke geworden. Eine Marke, von der man sich intern sicherlich mehr erhofft hat, zumindest was die Quoten angeht. Es gibt Abende, da läuft es ganz gut, an anderen eher nicht. Es gibt also durchaus Schwankungen. Und nein, die Attraktivität der Kämpfe ist nicht allein der Faktor. Grundsätzlich macht man viele Fehler im Detail, dabei braucht es diese überhaupt nicht.

Beginnen wir mit dem positiven. Mit Tobias Drews hat man den besten Box-Kommentator in Deutschland verpflichtet, der nicht nur beim Kampf, sondern auch im Vorfeld mit seiner Kompetenz absolut glänzen darf. Zudem gibts mit Russ Bray einen Ringsprecher, der ähnlich wie Michael Buffer sehr markant ist, mit dem sich die Leute identifizieren können und gerne zuhören.

Ich finde sogar, dass Axel Schulz einen recht guten Job macht. Sein Image als „Fackelmann“ hat er weg, teilweise wird er nicht ernst genommen. Und doch, so sind seine Analysen, aber auch, wie er Dinge rüberbringt, absolut in Ordnung. Sat1 würde gut daran tun, Schulz besser einzubringen, auch neben den Übertragungen im TV. Dazu später mehr.

Matthias Killing ist eines der Gesichter von Sat1. Den Job als Moderator macht er „okay“, mehr aber auch nicht. Man spürt, er ist mit Leidenschaft dabei, es mangelt aber an Fachkompetenz, was übrigens nicht mal böse gemeint ist.  Derweil ist Andrea Kaiser eine wichtige Marke für Sat1 und ran. Unanstastbar.

Gruselig wird es teilweise, wenn Christine Theiss die Interviews am Ring führt. Sie ist menschlich was ich höre eine tolle Frau, aber für diesen Job einfach ungeeignet. Das spürt man vor allem, wenn ihre Gesprächspartner am Liebsten im Erdboden versinken würden. Sie ist keine Journalistin und nur, weil sie zur Sat1-Familie gehört, muss man sie nicht in die „Berichterstattung“ mit einbeziehen.

Am Ende sollte die Kompetenz im Vordergrund stehen. Und gerade Sat1, die trotz allem ein schlechtes Image haben, sollten mehr darauf achten, einen journalistisch guten Job zu machen.

Kommen wir zurück zum Detail: Wenn Sat1 musikalisch immer wieder auf peinliche Cross-Promotion setzt, dann wird es mit dem Image nicht besser. Sie werden nicht ernst genommen. Ein Menowin Fröhlich wurde gestern nach seinem Playback-Auftritt aus der Halle gebuht und nein, dies ist keine Überraschung. Auch die Sängerinnen der Hymne sind oft nett anzuschauen, aber musikalisch schwer zu ertragen. Mir fehlt hier so ein bisschen die Ernsthaftigkeit.

Natürlich gucke ich auch auf die Social Media Kommunikation. #ranboxen ist bei Twitter etabliert, was draus gemacht wird, ist leider meist unbefriedigend. Wenn Sat1 einen Box-Abend macht, dann möchte ich Hinweise zu den Vorkämpfen, die es live auf ran.de gibt, da möchte ich exklusive Einschätzungen, eine Berichterstattung. Keine „Jetzt kommt der Kampf“-Tweets und zwei Bilder hinterher. Das ist Schmalspur und senkt das Interesse, zumal das Potenzial vor allem bei Twitter, durchaus vorhanden ist. Mit Periscope, Videos, exklusiven Randgeschichten macht das alles mehr Sinn. Es spricht nicht für Sat1, wenn Kommentator Tobi Drews über seinen Twitter-Account und vor allem bei Facebook „teilweise“ besser kommuniziert als der Sender selbst.

Wo ist bei Facebook die Berichterstattung vor dem Kampf? Wo die Bilder vom Wiegen? Den Aufbauten? Nix. Es gibt nicht mal Hinweise darauf, dass es die Vorkämpfe live zu sehen gibt. Boxen geht komplett unter. Ob Sat1 da einen Hinweis zum Livestream postet ist völlig irrelevant. Selbst RTL macht bei Facebook mittlerweile einen besseren Job. Das SoMe-Team sollte sich überlegen, via Facebook eine eigene Box-Seite aufzuschalten, damit 1. Boxen bei ran nicht komplett untergeht und 2. die Berichterstattung auch Online zu einer „Berichterstattung“ wird.

Das Optimierungspotenzial ist enorm. Der Sender hat alle Möglichkeiten und sicher auch gute Leute, die eine Kommunikation mit Leben füllen können. Warum man dies bisher nicht wirklich nutzte? Keine Ahnung. Ein „Boxfan“ kann sich damit jedenfalls nicht identifizieren. Der Mainstream sowieso nicht.

Zusammenfassung: An einem ran-Boxwochende muss der Sender dieses auch vollumfänglich begleiten. Das funktioniert mit Liebe zum Detail, vielen Informationen und Eindrücken, aber auch Interaktion. Das ist aktuell schlichtweg die Note 5.

Kleine Zusatzinfo vielleicht noch, was ebenso „auch“ ein SoMe-Thema ist – Irgendwas läuft falsch, wenn selbst ich, der recht viel im Web unterwegs ist, erst am Samstagnachmittag durch einen Tweet von Tobi Drews erfährt, dass am Abend #ranboxen läuft. Der Mainstream findet das dann größtenteils beim zappen am Abend oder er kommt via Social Media damit in Berührung. Es gibt aktuell eben nicht diese Bindung zu #ranboxen, wie es sie geben müsste. Und ja, daran muss man arbeiten, vor allem im Detail.

Alles in allem ist die Sat1-Berichterstattung alles andere als schlecht. In einigen Teilen sogar richtig gut. Es sind einfach Details, die teilweise so gar nicht gehen, die die Berichterstattung lächerlich machen oder die Sportfans zum ausschalten bewegen.

Vor allem finde ich, dass der Sender viele von diesen No-Gos gar nicht nötig hat. Die Leute wollen eine journalistisch gute Berichterstattung, die sich vor allem mit dem Boxen beschäftigt. Sat1 wird nie diesen Event-Status einnehmen, wie es RTL mit Klitschko macht. Aber das sollte auch gar nicht das Vorbild sein. Die Leute wollen gutes Boxen sehen, mit einer vernünftigen Begleitung. Hier gilt es, anders zu sein als RTL.

Ich mag #ranboxen und verfolge fast jede Übertragung. Am Ende hoffe ich, dass man an der Schraube dreht und an einigen Stellen etwas tut. Das tut dann nicht nur dem Image und der Quote gut, sondern auch generell den Zuschauern, die ehrliches Boxen sehen wollen.

Geschrieben von Florian Hellmuth

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