Marcel Reif von Fans bedrängt – Wenn eine Schwelle überschritten wird!

Wie verschiedene Medien gestern berichteten, wurde Marcel Reif im Vorfeld des Revierderbys von einigen Fans so sehr bedrängt, dass die Polizei eingreifen musste. Klare Sache: Das ist ein absolutes No Go!

Wir fahren zum Stadion, um unserem Beruf nachzugehen. Kurz davor werden wir aufgehalten. Von sogenannten „Fußball-Fans“, die nicht wollen, dass wir dieses Ziel erreichen. Sie beleidigen, sie rütteln am Auto. Es ist Hass, purer Hass.

Marcel Reif gehört zweifelsfrei zu den sechs bis sieben Kommentatoren in Deutschland, die stark polarisieren und regelmäßig mit großen Anfeindungen im Internet konfrontiert werden. Viele sind der Meinung, er würde nicht ausgeglichen kommentieren, zu arrogant sein oder sich selbst zu wichtig nehmen.

Es ist ein altes Thema. Kommentatoren wirken auf jeden anders. Geschmäcker sind verschieden. Das man sich als Fan einer Mannschaft vom Kommentator genervt fühlt, ist durchaus legitim. Jeder kennt das Gefühl. Ich rege mich auch ab und an auf, aber es gehört zum Fußball, zu den Emotionen.

Ein Vorfall wie gestern ist aber eine neue Stufe, die absolut zu weit geht. Es ist ein Unterschied, ob man jemanden im Internet böswillig kritisiert/beleidigt oder ihm auf der Straße Prügel androht. In den letzten Wochen hat sich das Ausmaß des Reif-Bashings noch weiter erhöht. Gründe sind das Spiel Bayern vs. Hamburg, sowie mehrere Einzelspiele von Borussia Dortmund. Man kann im Grunde von einem Hochschaukeln sprechen.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Vieles was im Internet geschrieben wird, geht absolut zu weit. Ich spreche von einem Rahmen, der über dieses Maß hinausgeht. Das tut es bei Reif momentan. Dennoch ist Kommentatoren-Bashing kein Grundproblem in Deutschland. Es sind einige wenige betroffen, die dafür regelmäßig einstecken müssen.

Was viele vergessen: Hinter jedem dieser Kommentatoren steckt ein Mensch. Viele können diese Kritik ausblenden, andere aber nicht. Es ist Druck von außen, den es zumindest in dieser Form nicht braucht. Nur weil man das nicht mag, was ein Kommentator beruflich ins Mikrofon spricht, hat niemand einen Grund, die Privatperson aufs übelste anzugreifen. Wir sprechen über Fußball, nicht mehr, nicht weniger.

So richtig auf den Punkt gebracht hat es heute Rollo Fuhrmann via Twitter.

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Es macht meiner Ansicht nach einen Unterschied, ob man einen Kommentator kritisiert oder einen Menschen beleidigt oder bedroht. Vieles was momentan geschrieben wird, geht eindeutig zu weit und sprengt alle Rahmen, die man sich so vorstellen kann. Ich verstehe Marcel Reif, wenn er in älteren Interviews darauf hinweist, von diesen Kritiken kaum etwas ernst zu nehmen. 99% von all dem ist nicht sachlich, bietet keinen Mehrwert. Laut eigener Aussage bekommt er nur zwei oder drei Mails pro Spiel von den Zuschauern.

Reif-Bashing ist momentan einfach „cool“, genauer beschäftigen tut sich damit aber fast niemand. Hauptsache draufhauen.

Teilweise ist das wirklich die Anonymität des Internets. Viele Dinge sind schnell geschrieben, ohne über die Konsequenzen nachzudenken.

Wer sich wirklich die Zeit nimmt, sich mit dem Menschen „Marcel Reif“ zu beschäftigen, der wird recht schnell bemerken, dass er bereits einiges erlebt hat, viele Facetten besitzt. Für viele ist er einfach ein Kommentator. Er ist aber auch ein Familienmensch, jemand mit klaren Standpunkten und Prinzipien. Das ist im Grunde nichts schlechtes, erklärt aber viele Dinge, für die er regelmäßig kritisiert wird.

Marcel Reif hat hohe Ansprüche. An seine Arbeit, aber auch an die Spiele, die er kommentiert. Das spürt man. Damit kann nicht jeder Fan umgehen, aber das muss er auch nicht. Es ist seine Art, diesen Beruf zu leben.

Kritik an einem Kommentator ist absolut okay und legitim. Aber es gibt Grenzen. Hass gehört nirgendwohin, auch nicht in den Fußball.

Wer Marcel Reif nicht hören will, der muss es nicht. Tonoption 2 oder sachliche Kritik. Alles andere bestätigt nur die Meinung von Marcel Reif, dass teilweise nur blöde Schimpansen im Schutzmantel der Anonymität irgendwelchen Quark posten.

Das würde ich als Kommentator, aber auch als Sender nicht ernst nehmen.

Geschrieben von Florian Hellmuth

4 Kommentare

  1. Hallo,
    durch Zufall und Twitter heute dich und deinen Blog gefunden. Gefällt mir und wird ab jetzt „verfolgt“ ;-)
    Zu Reif: Hm. ich mag ihn nicht – und damit meine ich ihn, den Kommentator. Ob er ein Familienmensch ist oder nicht, welche Prinzipien er hat, ist mir da, ehrlich gesagt, recht egal, denn ich kenne ihn ja nicht privat, sondern eben nur als Kommentator. Und ich finde auch nicht, dass ich mich intensiver mit ihm beschäftigen müsste. An Reif als Kommentator habe ich viel zu kritisieren, ebenso auch an Bela Rethy, an Tom Bartels.

    Wo ich natürlich ganz bei dir bin: Die Kritik muss sachlich bleiben (selbst oder gerade dann, wenn ich kritisieren möchte, dass die Kommentatoren das nicht sind) – und Beschimpfungen, Drohungen oder Gewalt gehen gar nicht. Ich frage mich allerdings auf der anderen Seite auch, ob Reif sich nicht vielleicht auch mal fragen sollte, woher das alles kommt? Klar kann man als Fußball-Kommentator wohl nur schwerlich „everybody’s darling“ sein, aber sich selbst und seine Art, in der Öffentlichkeit aufzutreten und eben die Art und Weise Fußballspiele zu kommentieren, auch mal zu hinterfragen, würde weder Reif, noch Rethy oder Bartels schaden. In dieser Hinsicht bin ich doch sehr gespannt auf den Sportschauclub heute Abend.

    LG :)

    Gefällt 1 Person

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