Sinkendes Interesse an der Formel 1 – Hangout-Zusammenfassung + Linktipp!

Die Quoten sinken, der GP von Deutschland ist noch immer nicht gesichert – Gründe gibt es viele, warum die Formel 1 nicht mehr das Standing bei den Zuschauern hat, wie noch vor einigen Jahren.

Seit einiger Zeit treffen sich einige verrückte F1-Fans regelmäßig zu einem Hangout, wo über die aktuellen F1-Themen diskutiert wird. Sachlich, auch mal amüsant, aber immer interessant. Zuletzt ging es vor allem über den 2015er Deutschland-GP, der momentan einfach droht komplett ins Wasser zu fallen. Aber auch weitere Themen wurden in den vergangenen Monaten intensiv diskutiert.

Um den vergangenen F1-Hangout einmal zusammenzufassen und zu zeigen, was so diskutiert wurde, hat sich Michael einige Gedanken gemacht und alles niedergeschrieben!

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Inzwischen sind die Hangouts zu F1-Themen fast schon etabliert. Letzte Woche wurde von F1-Fans wieder eifrig diskutiert – über den Deutschland-GP. Die Zuschauerzahlen schwinden, die TV-Quoten sind rückgängig, die Kritik an der aktuellen Formel-1 ist lauter als die Motoren selbst. Hat die Formel-1 in Deutschland noch eine Zukunft?

Noch immer ist unklar, ob Deutschland 2015 überhaupt ein F1-Rennen austragen wird. Grund dafür sind die Turbulenzen am Nürburgring, die noch immer nicht beendet sind. Erst gestern gab es Gerüchte, wonach sich Porsche Anteile an der Nürburgring-Betriebsgesellschaft Capricorn sichern könnte. Inzwischen hat der deutsche Autobauer diese Spekulationen schon wieder dementiert.

Ein Grund dafür, dass der Deutschland-GP in der Schwebe hängt, sind aber die enorm hohen Gebühren, die die Veranstalter für einen Auftritt der Formel-1 auf den Tisch legen müssen. Diese geben diese Kosten dann in Form höherer Ticketpreise an die Fans weiter. Im Gegenzug dazu wird den Fans vor Ort aber immer weniger geboten. Die Hangout-Runde war sich darüber einig: „Das Preis-Leistungsverhältnis an der Strecke stimmt nicht mehr.“ Die Show auf der Strecke leidet etwa unter dem leisen Sound der modernen Generation F1-Autos. Dazu sind die Rennen undurchsichtig und von den Tribünen kaum zu verstehen. „Formel-1 ist ein TV-Sport“, bringt es beispielsweise Tobias auf den Punkt.

Ist der Besuch eines F1-Rennens also überhaupt noch ein Gewinn, wenn auch abseits der Strecke für die Fans nur wenig geboten ist? Der Zutritt zum Fahrerlager ist nur wenigen VIP-Besuchern gestattet, die Fahrer und Autos präsentieren sich vor Ort genauso unnahbar wie am Fernsehen. Die Formel-1 ist zu abgeschottet, zu steril, zu wenig fanfreundlich. In Österreich gibt es immerhin noch Auftritte von bekannten Bands wie die „Sportfreunde Stiller“.

Hat sich RTL zu sehr auf Fahrer fokussiert?

Eine mögliche Chance, so wurde zumindest in der Runde diskutiert, wäre eine Vereinigung der Streckenbetreiber, um F1-Kalenderbaumeister Bernie Ecclestone unter Druck zu setzen. Bis zum Aufstieg von Ecclestone Ende der 70er Jahre, der geschlossen für alle Teams die Antrittsgelder aushandelte, waren die Streckenbetreiber die mächtigste politische Kraft im GP-Sport. Doch in der Hangout-Runde wurde auch das Problem erörtert: „Dann fährt die Formel-1 eben in Ländern wie Aserbaidschan oder Katar. Die legen gerne so viel Geld hin, aus Prestige.“

Unter den Teilnehmern des Hangouts gab es aber durchaus Zuversicht, dass es 2015 einen Deutschland-GP geben werde. Möglicherweise mit Mercedes als Mitfinanzier. Aber man war sich auch einig: „Die Zeit drängt, es hängt ja sehr viel Planung im Vorfeld dran und je länger die Entscheidung dauert, desto kürzer ist auch die Zeit für den Ticketverkauf.“ Möglicherweise gibt es also weitere Einbrüche bei den Zuschauerzahlen. Das lukrative Weihnachtsgeschäft fiel für die Veranstalter inzwischen schon flach.

Aber nicht nur an der Strecke schwindet das Interesse, der deutsche F1-Übertragungssender „RTL“ muss mit durchschnittlichen Zuschauerzahlen unter fünf Millionen leben – also den niedrigsten Quoten seit 1994. Woran liegt’s? Erörtert wurden eine Vielzahl von Gründen, die wohl alle mit dem Zuschauerrückgang zu tun haben.

„Die Fans sind übersättigt, der Peak Anfang der 2000er flacht einfach ab“, meint zum Beispiel Sascha. Möglicherweise hat sich RTL auch zu sehr auf Michael Schumacher konzentriert und damit eher einen Schumacher-Hype statt einen F1-Hype erzeugt. Vielleicht fehlt also das tiefe Verständnis oder auch das Interesse für den Rennsport an sich. Ausländische Sender steigen oft tiefer in die Materie ein, betrachten das Renngeschehen nicht nur aus nationaler Sicht heraus, sondern versuchen eine Begeisterung für den Motorsport an und für sich zu entfachen. Sascha bringt es auf den Punkt: „Die Engländer lieben den Sport, Deutschland die Fahrer.“

F1-Krise weltweit

Andererseits sind Länder wie Großbritannien und Italien von jeher Motorsport begeisterter. In Österreich war der Grand Prix ebenfalls ausverkauft, „aber da kehrte das Rennen ja erst zurück, da muss man mal die Entwicklung in den nächsten zwei bis drei Jahren abwarten“, war der Tenor unter den Hangout-Teilnehmern.

Die Formel-1 verliert aber auch weltweit Zuschauer. 25 Millionen waren es 2014 (insgesamt noch 425 Millionen Zuschauer). Das liegt unter anderem auch daran, dass die Topteams in der Formel-1 das Sagen haben, ein Reglement austüfteln, das bei Fans nicht auf Begeisterung stößt und das F1-System derzeit erkranken lässt. Noch profitiert die Formel-1 davon, dass es noch keine ernsthafte Alternative zur Formel-1 gibt, aber die Sportwagen-WM, die Formel-E und die MotoGP könnten langfristig zur Gefahr für die Formel-1 werden.

Über folgende Themen wurde im Hangout gesprochen:

  • Ticketpreise und Preis-Leistungsverhältnis an der Strecke: 00:00 bis 06:00 Minuten
  • Bis 26.00 lief die Diskussion über die F1-Fankutur in Deutschland: Gibt es nur einen Personenkult und keinen Rennsportkult? Ist hier auch der Sender RTL gefragt? Wenn ja, wie?
  • Minute 32:00 bis 1:04,00 wurde über die aktuellen Reglement- und Politik-Probleme der Formel-1 diskutiert. Die Strategiegruppe, die Macht der Topteams und die Stellung der FIA wurden dabei kritisch betrachtet.
  • Bis 1:24:00 sprachen wir über die Attraktivität der deutschen Strecken, aber auch allgemein über den Trend von asphaltierten Auslaufzonen.
  • Anschließend gab es noch Einschätzungen darüber, ob der Deutschland-GP 2015 stattfindet und wie die ersten Testfahrten in Jerez einzuordnen sind.

 

Danke dafür, Michael! – Mehr von ihm, gibts hier

Besonders aufgefallen ist mir im Hangout, dass viele Formel 1 Zuschauer mit den aktuellen Regeln und der Technik überfordert sind. Zu viel Technik, zu wenig echtes Racing. Ich glaube, dass ist neben vielen anderen Gründen ein Problem. Kritik müssen sich auch die Sender gefallen lassen, die viele Dinge nur teilweise, wenn überhaupt, erklären. Bei der BBC und Sky Sport F1 HD in England ist das deutlich besser.

Natürlich interessieren sich viele nicht für diese Feinheiten, aber dennoch gehört es dazu, vor allem, wenn man eine echte Berichterstattung fahren will, die über die deutschen Fahrer hinaus geht. Fakt ist: Die Quoten gehen zurück. Bei den Sendern tut sich derweil recht wenig. Natürlich haben die Sender auf die Rennen keinen Einfluss, aber sie können dafür sorgen, dass das Interesse im Detail wieder stärker wird. Nicht die deutschen Fahrer sollten im Vordergrund stehen, sondern der Rennsport selbst.

Ab der Saison 2016 könnte sich einiges verändern, da die Senderechte auslaufen. Aber das ist dennoch kein Grund, bis dahin eine Berichterstattung zu fahren, die einfach oberflächlich ist.

Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, eine Berichterstattung auszubauen, bzw. teilweise auch zu verlagern. Vor allem online gibt es viele Möglichkeiten, aktuelle Themen aufzugreifen. Via Blogs, Interviews, Video-Tagebüchern oder was auch immer.

Den Sendern muss man teilweise eine Mitschuld am Rückgang der Quoten und auch des generellen Interesses an der Formel 1 geben.

Klar gibt es viele Facetten für den Quotenrückgang, aber viele Fans sind mittlerweile überfordert und schaltet nicht mehr ein. Dabei sind vor allem die Rennen gar nicht so schlecht, wie sie teilweise gemacht werden.

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Da von den Sendern meist wenig kommt, kann man sich natürlich auch an anderen Stellen über die Formel 1 und auch dessen Feinheiten informieren. Maria Reyer ist Redakteurin bei Motorsport-Total.com und Teil unseres Hangouts. In ihrem Blog gibt sie regelmäßig Einschätzungen zu den aktuellen F1-Themen und spricht sie detailiert und verständlich an.

In einem aktuellen Artikel geht es z. B. um die aktuellen Helm-Designs. Ein Blick in ihren Blog lohnt sich auf alle Fälle:

http://marieskleinewelt.com/2015/02/18/helmdesign-warum-eines-genug-ist/

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Traurig macht mich übrigens vor allem eines: Die Formel 1 hat uns alle über Jahre absolut fasziniert, wir sind zum ersten freien Training mitten in der Nacht aufgestanden, um dieses Racing zu erleben. Mittlerweile wird es immer weniger. Natürlich hat das Gründe, dennoch ist es schade, da der Sport weiterhin großes Potenzial hat. Viele Verschlimmbesserungen in den vergangenen Jahren sorgten dafür, dass das Interesse gesunken ist. Es ist schwierig, dort wieder rauszukommen.

Grundsätzlich sollte es im Sinne des Sports, aber auch der Sender möglich sein, die Formel 1 wieder etwas zu pushen, Zuschauer heranzuziehen. Was macht als Beispiel RTL? 15 Minuten der Vorberichte schlichtweg wegoptimieren. Kein gutes Zeichen.

… und dann wundert man sich, warum das Interesse immer weiter sinkt. Es ist ein Zeichen, eines das alles andere als positiv ist.

Jahrelang haben die Sender groß von der Formel 1 profitiert. Jetzt, wo die Quoten sinken, behandelt man dieses Sportrecht teilweise zu oberflächlich, zu nebensächlich, anstatt etwas dafür zu tun, diese Sportart wieder nach vorne zu bringen.

Da kann man nur eines sagen: Ihr seid selbst Schuld!

Geschrieben von Florian Hellmuth

2 Kommentare

  1. Sehr gelungener Hangout mal wieder von euch. Was die Sache mit RTL anbelangt: Weniger Sendezeit, bedeutet nicht gleichzeitig unzureichende Berichterstattung. Leider ist es bei RTL aber so, dass die Qualität der Übertragungen sehr abgenommen hat in den letzten Jahren – man kratzt nur noch an der Oberfläche. Früher konnte man bei RTL mit einem gewissen Herrn Schumacher auf Zuschauerjagd gehen. Ohne Schumacher ging die RTL-Quote nach unten, der inhaltliche Wert der Berichterstattung nahm ab. RTL ist quasi der Sender für die Gelegenheitsmotorsportgucker geworden, die meisten anderen sind mit SKY versorgt. Wozu also mehr Sendezeit? Dann lieber kurz und kompakt.

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  2. Das Problem in der Formel1, wie ich es sehe, ist doch, dass es ein Produkt gibt, dessen Hauptabnehmer, also die FANS, nicht ein Produkt bekommen, für was sie bezahlen und was ihnen gefällt. Sollten nicht die Fans entscheiden dürfen, was sie haben wollen? Sollten nicht die Fans zumindest eingebunden werden, wenn es um neue Regeln geht? Man kann dann über die Meinungen diskutieren und Kompromisse finden, und ersparrt sich solche Debatten. Wer geht denn an die Rennstrecken, wer schaut sich die Rennen im TV an, wer liest darüber Berichte, wer kauft das Merchandising denn am Ende des Tages? Na klar bezahlen Mercedes, Ferrari, etc…und sollen mitentscheiden. Aber wenn am Ende des Tages ausser denen, die in der Formel1 arbeiten, und die wenigen, die es sich noch leisten können, bei den Rennen sind, ist doch was falsch am System. Die Verteilung der Macht und die Führungspositionen werden doch nur noch von Menschen besetzt, die auf ihre eigene Tasche schauen, damit diese ja voll ist von Geld. Leider ist im Sport allgemein diese Gier sehr groß geworden und somit macht es langsam wenig Sinn Millionären bei ihrem Zeitvertreib zuzusehen.

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