Respekt

Mit Christina Rann hat gestern Abend eine Sky-Moderatorin den „Mira Award“ gewonnen, den ich ihr von Herzen gönne. Warum? Weil sie fachlich gut und menschlich sehr authentisch ist. Ich habe Respekt vor ihr und ihrer beruflichen Leistung.

Heutzutage kann man sich vieles erkaufen. „Respekt“ gehört zum Glück nicht dazu. Dabei meine ich nicht den Respekt vor dem Menschen, den sollte man immer haben, sondern den beruflichen Respekt für gezeigte Leistungen. In einer Branche, in der es oft leider nur noch um das Image, das Aussehen, eine gewisse Strahlkraft geht, ist es schön, wenn es Moderatorinnen, aber eben auch Moderatoren gibt, die man beruflich für ihre Leistungen respektiert.

Christina Rann liebt den Fußball, ist sozial engagiert, sucht nicht das Rampenlicht. Sie macht ihren Job und das mit enorm viel Herzblut. Sie ist noch recht jung, aber dafür schon sehr weit.

Sie kommentierte von 2003 bis 2013 ehrenamtlich Spiele des Hamburger SV für Blinde und Sehgeschädigte. Zudem war sie u.a. Redakteurin für Spiegel TV. Später nahm sie am Kommentatoren-Casting von Sky teil, über das sie den Sprung zur Fieldreporterin schaffte. Mittlerweile moderiert sie an der Seite von Ulli Potofski das Sky-Format „Mein Stadion“.

Christina Rann wird dafür respektiert, was sie Woche für Woche beruflich tut – Es geht nicht um ihr Aussehen, nicht um ihr Image, sondern nur um ihre gezeigten Leistungen auf dem Sender. Sie wird nicht auf irgendetwas reduziert, sondern von den Zuschauern als ernsthafte Journalistin respektiert. Ein größeres Kompliment kann man kaum machen, vor allem in dieser Branche.

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Quelle: Christina Rann auf Facebook

Beruflichen Respekt muss man sich verdienen. Mit guten Leistungen, hoher Authentizität. Man darf sich selbst nicht zu wichtig nehmen, in der Öffentlichkeit nicht versuchen durch andere Dinge wie Fotos von Promi-Veranstaltungen oder Fotoshootings aufzufallen. Das sind Dinge, die in den meisten Fällen zwar dafür sorgen, dass einem die „Fans“ und Zuschauer böse ausgedrückt „geil“ finden, aber nicht als das respektieren, was sie beruflich sein wollen – Ein ernstzunehmender Journalist/in.

Natürlich macht man so auch seinen Weg, gerade heutzutage, wo in vielen Fällen die Kompetenz nicht sonderlich relevant ist. Für bedeutetende Fragen wie: „Wie fühlen Sie sich“ oder „Was hat Ihre Mannschaft heute falsch gemacht“, brauche ich keinen Journalisten, da reicht auch der Praktikant, der drei Wörter fehlerfrei aufsagen kann.

Man hat mittlerweile einfach das Gefühl, viele On Air Gesichter sind absolut austauschbar. Das gilt für alle Sender. Viele bekommen aber auch nicht die Möglichkeit, sich auszuzeichnen, zu zeigen, was sie wirklich drauf haben.

Viele ruhen sich auf dem aus, was sie haben, es fehlt die Entwicklung und gerade in dieser Branche musst du dich entwickeln, wenn du nicht nach drei Jahren gegen eine jüngere ausgetauscht werden willst.

Respekt und Charakter sind Dinge, die ich sehr schätze. Vor einigen Monaten bekam ich eine E-Mail von einer ehemaligen Teilnehmerin vom Sky-Kommentatorencasting. Sie bedankte sich für die faire Berichterstattung und stimmte vielen Dingen zu, die ich geschrieben habe. Davor habe ich höchsten Respekt. Warum? Weil sie sich mit Dingen von außen beschäftigt hat, sich weiterentwickeln möchte, Kritik annimmt.

Beim #GenerationSky-Event im vergangenen Jahr habe ich mich sehr darüber gefreut, die „Kinopolis-Moderatorin Aline von Drateln kennenzulernen. Ich hatte damals mal einen Artikel zur Sendung veröffentlicht und später bei Twitter mit ihr geschrieben. Beim Event selbst sah sie mich, umarmte mich, wir sprachen kurz und saßen noch zusammen. Diese Herzlichkeit, aber auch dieser Respekt vor gezeigten Leistungen ist das, was am Ende für mich in dieser Branche zählt.

Zuletzt überzeugte mich fachlich übrigens vor allem Kate Abdo, die den Ballon d’Or moderierte. Das war großes Kino – Super sympathisch, kompetent, authentisch, humorvoll und unheimlich sicher. Man spürte ihre Erfahrung, aber auch die Lust und die Leidenschaft für diesen Beruf.

Aktuell total in Arbeit ist Anett Sattler, die für Sport1 und DHB-Timeout von der Handball WM berichtet. Als Moderatorin, Filmemacherin, Redakteurin, Kamerafrau. Viele verschiedene Aufgaben, wenig Zeit, hoher Stress. Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist absolut imponierend und für mich der inbegriff einer echten Journalistin.

Großen Respekt habe ich zudem vor Julia Scharf, die unglaublich viel für den weiblichen Journalismus getan hat und von Übertragung zu Übertragung mit Kompetenz glänzt und das in vielen verschiedenen Sportarten. Auch als Moderatorin von „Sport im Dritten“ hat sie sich absolut etabliert.

Bei Sky ist es vor allem Britta Hofmann, die in den vergangenen Jahren schlichtweg exzellente Arbeit geleistet hat. Das übrigens nicht nur bei SSNHD, sondern auch am Spielfeldrand für Sky Sport. Auch bei Facebook ist sie sehr aktiv, sucht den Kontakt zu den Sportfans und dadurch entsteht ein wunderbarer Dialog.

Es ist eine Branche, in der viele dem anderen nicht den Erfolg gönnen oder schlecht über dich reden, wenn du nicht mehr da bist. Teilweise verändern sich sogar Menschen, weil sie irgendwann abheben, ihnen der Erfolg zu Kopf steigt. Viele merken es nicht, auch weil sie dennoch gut davon leben, es ihnen egal ist oder falsche „Freunde“ einem das erzählen, was sie hören wollen.

Natürlich ist es ein sehr komplexes Thema und man darf niemanden über einen Kamm scheren. Dennoch sehe ich hier einen Trend, der im Grunde traurig macht, da es auch viele tolle, ernstzunehmenden Journalisten/innen gibt, die mega viel drauf haben, aber so in den Schatten geraten und teilweise die ganze Berufsgruppe ins Abseits stellt.

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Kurze Randinfo:

Es ist ein Artikel, der mir wichtig war, weil das Thema viele beschäftigt, es sich aber verständlicherweise kaum jemand traut, es anzusprechen.

Mir geht es nicht um Namen, nicht darum, irgendwem zu Nahe zu treten – Sondern darum, auf ein Thema aufmerksam zu machen, was viele Zuschauer und auch Journalisten beschäftigt.

Ich werde dafür bei einigen keinen Sympathiepreis bekommen. Aber ich bin bekannt dafür, immer ehrlich und direkt zu sein, auch wenn es weh tut.

Vor allem hoffe ich aber, dass viele den Hintergrund, den Sinn dieses Artikels verstehen.

Bei Fragen zum Artikel, stehe ich gerne zur Verfügung.

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