Nach dem Unfall von Michael Schumacher – Einige Gedanken über die Berichterstattung der Medien

Es ist ein Thema, bei dem man sich absolut keine Freunde macht. Im Grunde ist es auch vollkommen egal, was man schreibt, kritisiert wird es eh. Es ist ein Interessenkonflikt und zwar für „alle“ Seiten.

Was haben wir also? Die Medien, die nach dem Unfall am liebsten exklusiv etwas Neues vermelden wollen, die am Krankenhaus stehen und „zum Teil“ alles für eine Story machen. Wir haben ein Krankenhaus, welches kaum noch normal arbeiten kann, da es schlichtweg belagert wird. Zudem Patienten im Krankenhaus, die vielleicht nicht wissen, wie ihnen geschieht. Der Alltag im Krankenhaus ist gestört und das darf im Grunde nicht sein, alleine für Besucher anderer Patienten. Was leider die wenigsten in diesen Tagen interessiert, ist die Familie Schumacher, für die sich angeblich alle interessieren, der aber keinerlei Privatsphäre eingeräumt wird.

Wir müssen nicht darüber reden, dass alle Seiten ein Interesse an diesem Unfall und der Person Michael Schumacher haben. Natürlich müssen die Medien berichten, dass ist absolut legitim. Die Menschen da draußen wollen wissen, wie es ihrem Idol geht.

Wenn sich der Chefredakteur der Tagesschau dafür rechtfertigen muss, über ein Thema zu berichten, welches ein Großteil der Menschen in Deutschland interessiert, dann stimmt etwas nicht.

Es geht auch nicht darum, ob man über das Thema berichtet, sondern „wie“ man darüber berichtet. Tagesschau-Chef Kai Gniffke im Blog:

Es ist nicht verwerflich über das Schicksal von Schumacher zu berichten – es kommt auf das „Wie“ an.
 
Quelle: http://blog.tagesschau.de/2014/01/02/michael-schumacher-in-der-tagesschau/

Wenn man dann irgendwann darüber liest, dass sich ein Journalist als Priester verkleidet ins Krankenhaus schleichen wollte, dann fragt man sich, wie weit manche Journalisten für eine Story gehen.

Ob man als BILD-Zeitung die Strecke abfahren und ein Video davon online stellen muss? Auch darf man sich fragen, wie pietätlos man sein muss, um Bilder einer Frau auf die Titelseite zu stellen, die um ihren Mann bangt. Über den Brief von Franz Josef Wagner an Corinna Schumacher schreibe ich lieber nichts, weil mir sonst die Kotze hochkommt. Es fehlt vielen Redaktionen an Feingefühl, die Story, der Hype, immer neue Dinge veröffentlichen zu müssen, nur darum geht es. Ich frage mich halt, ob es das ist, was viele Medien heutzutage darstellen?

Geheucheltes Mitgefühl, während man im gleichen Moment jede noch so kleine Information, manchmal auch Lüge druckt, um im Gespräch zu bleiben. Wollen die Leser das? Ich glaube nicht. Es gibt Themen, bei denen sich viele wünschen würden, dass die Presse sich etwas zurückhält, sachlich berichtet und man ihr abkauft, dass sie sich für die Sache dahinter interessiert – Es geht bei dem Unfall von Michael Schumacher nicht darum, wer einen Fehler gemacht hat, warum es passiert ist, sondern im Moment nur darum, dass ein Mensch den Kampf seines Lebens kämpft. Es geht um Unterstützung für einen Menschen, der uns über viele Jahre hinweg begeistert hat, nicht nur als Rennfahrer, sondern auch als Persönlichkeit, als Idol.

Ich möchte hier nicht alle Sender und Redaktionen über einen Kamm scheren. Es gibt viele, die sachlich und respektvoll über den Unfall berichten. Leider ziehen einige schwarze Schafe manchmal einen ganzen Berufsstand in den Dreck, was im Grunde eigentlich nur traurig macht und unfair ist.

Wenn es neue Informationen gibt, wird uns das Krankenhaus informieren. Gerade bei so einer Verletzungen braucht der Patient vor allem zwei Dinge – Zeit und Ruhe! Der Respekt sollte vorhanden sein, um trotz des großen Interesses der Medien und auch der Fans, ihm diese Dinge zuzugestehen. Die Ärzte werden wissen, was sie tun. Ich möchte als Arzt auch keine tägliche Pressekonferenz geben, sondern mich um meinen Patienten kümmern. Natürlich will man immer gleich alles wissen, dass ist normal, aber wer das große Ganze sieht, der weiß auch, dass es um ein Menschenleben geht. Das ist wichtiger als jede Pressemeldung, Information oder Gesundheitsupdate.

Auch vergessen sollte man die Familie Schumacher nicht, die die schwerste Zeit erleidet, die man nur erleiden kann. Da möchte man nicht mit der Presse reden, Dinge nach außen dringen lassen, sondern nur bei dem Menschen sein, der einem so viel bedeutet.

Nie war Privatsphäre so wichtig, wie in diesen Tagen. Das sollte man respektieren.

Geschrieben von Florian Hellmuth

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