Sky Deutschland – eine bessere Weihnachtsgeschichte

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Heute ist der 24. Dezember. Heiligabend. Die Zeit der Besinnung und Bescherung, ein Fest für die Familie. Auch der Fernsehsender Sky hat seine treuesten Mitarbeiter zu einem lauschigen Beisammensein geladen. Und viele, sehr viele sind gekommen…

Weit draußen, fernab des geschäftigen Trubels in pulsierender Hektik, ist die Welt noch in Ordnung. Die Abenddecke verhüllt die Stadt in einem finsteren Schleier, wie ein Lichtermeer liegt sie erhaben zu Füßen. Die Luft ist klar, eine feine Prise umweht die Nasenspitzen der Menschentraube, die sich im Gänsemarsch durch die verschneiten Wälder bewegt. Die Gestalten atmen kleine Wolken aus, ein paar Schneeflocken verirren sich durch die Wipfel auf ihre Häupter herab. Zwischen den Tälern, dort drüben, hinter dem Effenberg, hat die winterliche Landschaft ein Häuschen eingekreist, aus dessen Schornstein es wohlig lodert. Sanftes Gelächter ist zu vernehmen, das immer deutlicher wird, je näher die Gruppe kommt.

Stapfen zeichnen ihre Route nach, als sie aus der Dunkelheit in die von Lichterkerzen geströmte Umgebung schreiten. Nicht alle freunden sich mit der konträren Umstellung an. „Ist das Hell, mann“, stöhnt einer von ihnen. „Sei nicht so empfindlich“, grummelt der andere, also der von der Huffington Post. Frohes Fest: Wenn sich wildfremde Menschen verstehen.

Sky feiert Weihnachten, und alle sind eingeladen.

Fritz von Thurn und Taxis betritt als erster Gast die geschmückte Waldhütte in Oltersdorf am Rande Münchens. Der Anzug sitzt, der Bart ist feinsäuberlich gestutzt. Adel verpflichtet. Auch die eigens aus Norwegen importierten Rentiere freuen sich über die Ankunft der Sky-Legende. Fritz ist kein gewöhnlicher Besucher, er wird für die Geschenkausgabe zuständig sein, wie ein Weihnachtsmann. Statt HOHOHO bedient er sich einem ihm vertrauteren Wortschatz, der dem Anlass jedoch nicht weniger gerecht wird: HUIUIUI hallt es durch die gute Stube, dass sich die Balken biegen. Vor Ehrfurcht.

„Da draußen klirrt der Reif“, bemerkt der findige Fritz. „Lausig kalt“ sei es, grantelt der Kommentatoren-Papst beim Betreten der Hütte. Im Wald treibt sich noch der Wolff herum, aber es ist kein böses Wesen, vielmehr ein gewitzter Vertreter seiner Zunft, denn was er macht, hat Hand und: Fuss.

Unter der Linde sitzt der Mann mit dem geschliffenen Sprachduktus und feilt am rhetorischen Raffinement. Sowieso untermauert das starke Geschlecht das Klischee der Männerdomäne: Fleischmann, Wehrmann und Britta Hofmann ergänzen den namentlichen Einheitsbrei. Von Ursula Hoffmann ganz zu schweigen. Marco Hagemann wagt sich derweil in die verpönte Parteilichkeit und tritt im BVB-Trikot (ohne Nadelstreifen) vor den Weihnachtsbaum. Zur Strafe setzt es echte Hiebe.

Um etwas Struktur in das Gewusel zu bringen, wird eine grobe Zählung improvisiert:

„Schmidt?“

„Welcher?“

„Na, der Schmidt ha(ra)ld.“

„Noch“ Anwesend, gnädiger Herr!“

Meijer?“

„Jawohl!“

„Schulz?“

Betretenes Schweigen. Keiner meldet sich.

„Verhindert“, ertönt es aus der Masse. „Keep going…“

Schon bald fällt die Zielflagge. Denn die Reporter begehren auf, werkeln an ihren 2014er Karriereleitern. Stumpfe Sprossen sind unerwünscht. Seidler verbreitet sich die Kunde, dass Bayer Leverkusen kommentieren will. Zudem fühlen Gaupp, Schröter und Konsorten dezent beim Chef vor, ob sie die Premier League nicht mal aus dem Stadion übertragen dürften: „Ja, das wäre ein Renner“, beeilt sich der langhaarig Gelockte zu betonen.

Stilikone Evers tauscht sich in loser Folge mit losen Besuchern über lose Modetrends aus. Lifestyle, Klamotten und Frisuren stehen auf der Tagesordnung, doch obwohl Groß artig lauscht, vergeht Evers bald die Freude an der Unterhaltung. Als seine Bekräftigung, wonach eine Glatze heutzutage deplatziert sei, bei Marc Hinde(n)lang auf taube Ohren stößt, verliert Evers endgültig die Lust.

Glücklicherweise sind die nächsten Gäste im Anmarsch. Da ist zum einen Rollo Fuhrmann, der mit seinem Buggy (sommerbereift) im Tiefschnee stecken geblieben war. Außerdem treffen Lisa Heckl und Ruth Hofmann ein, die als Herrscherinnen über sämtliche Netzwerke selbstredend in Netzstrumpfhose gekleidet sind – und, oh Schreck, wie sich bei Abnahme der Mäntel offenbart: Im selben Kostüm!

Wie kampfbereite Terrier mustern sich Heckl und Hofmann für einen Sekundenbruchteil im Profil. Zwei Frauen, ein Gedanke: Das ist mein Kleid. In Köln karrt das Team von „RTL Explosiv“ bereits prophylaktisch das Equipment zusammen, doch dann entspannen sich die festgetackerten Mundwinkel der beiden. Es ist ja Weihnachten, das Fest der Diebe. Also sehen sie über die gestohlene Idee hinweg. Ausnahmsweise. Ausschließlich heute. Und auch nur zur Wahrung des guten Geschmacks. Übertrieben freundlich begrüßen sich die blonden Ladys, Küsschen links, iPad rechts. Falsche Schlange.

Um die latent schwappenden Wogen zu glätten, wird die Bescherung für Ruth und Lisa vorgezogen. Hastig eilt Sport-Sendechef Burkhard Weber mit zwei – identisch – verpackten Präsenten heran. „Als innovatives Unternehmen benötigen wir die neuesten Standards, etwa dieses frisch auf den Markt geworfene Heft zur Aufbewahrung eurer Kontakte. Das ist nur in streng limitierter Auflage erhältlich, sündteuer und purer Lutzus“, erklärt er, leicht errötet. Zum Vorschein kommt ein Gesichtsbuch. Die Anwendung des Produkts ist so komplex, dass es einer Erläuterung bedarf. Es wird nämlich nicht durch den erprobten virtuellen Wischer geblättert, auch Scrollen zur Auf – und Abwärtsbewegung ist obsolet. Im Gesichtsbuch kann man die einzelnen Seiten quasi berühren, man spürt das Material an den Fingerkuppen, als ob es physisch vorhanden wäre. Und irgendwie ist es das auch. Wahrhaft revolutionär.

Neben der Hütte recken sich weiße Tannen, und vom Teich macht sich der Teicher auf, um ins Warme zu gelangen. Beim Ufer hält er kurz inne, wird dann jedoch von akuter Melancholie geplagt. Frustriert berichtet Teicher vom fehlgeschlagenen Hochseefischen auf gefrorener Platte und gesteht, sich den Wasserziehr leichter vorgestellt zu haben. Die Kollegen verzichten auf investigative Nachfragen, das ist allein deshalb verständlich, weil ihre Münder mit dem Verzehr von Lebkuchen ausgelastet sind.

Ohnehin verwöhnen saftige Speisen die ausgemergelten Journalisten. Im Bauerhaus werden Roosmarinkartoffeln mit Surersteak serviert, zum Nachtisch gibt es Orangen-Nössing-Muffins sowie einen Schlag große Schlarmann. Als wohlerzogener Bursche bringt Erik Meijer sechzehn Schachteln mit holländischen Keksen mit, die allesamt derselben Geschmacksrichtung folgen: 100 Prozent Käse. Aber im Vordergrund steht ja die Geste…

Natürlich wird Glühwein ausgeschenkt, auch Weiss-Wein ist verfügbar, in Tassen und Gläsern, mit oder ohne Henkel. Marcel Reif empfiehlt einem Mitarbeiter von Sky Sport News HD, weniger Flüssignahrung zu konsumieren – der junge Mann hat bereits eine stattliche Fahn.

Überaus quirlig bei der Sache ist Kai Dittmann. Sobald sich die Ration bei einem Kollegen zu Ende neigt, öffnet er eine neue Tüte Chips und verschwindet mit Wolff Fuss vor der Tür. Augenzeugen schwören später, den Zigarettenqualm irrtümlich für den Rauch aus dem Schornstein gehalten zu haben.

Uli Potofski und Esther Sedlaczek erreichen die Feier mit Verspätung. „Sorry, haben noch ein paar Kneipen abgeklappert“, schnauft Uli, während er sich behände von seinem Gaul schwingt. „Dafür hat sich Esther praktischerweise gleich als Weihnachtsbaum verkleidet. Jemand Interesse, sie zu schmücken…?“

Das Ambiente ist prächtig. Leise rieselt der Schnee, still und starr ruht der See, Friedrich glänzet der Wald. Hach, herrlich. Krächzend berstet das Holz im offenen Kamin, dosierte Lichtkegel erzeugen heimelige Assoziationen. Die Stirnseite des Zimmers ist mit einem überdimensionalen Sky-Banner verhangen, daneben, auf der Vertäfelung, befinden sich akkurat aufgereihte Snapschüsse der Crew, die zu einer imposanten Ahnengalerie verschmelzen. Im Zentrum thront die Tanne, dominant, fast einschüchternd, mit dieser festlichen Dekoration voller Kerzen, Glitzer und Lametta. Geschenke verschiedensten Ausmaßes, in roter, weißer oder blauer Montur verpackt, türmen sich zu einer infantilen Spielburg, und Kleinkram in Massenfertigung flutet den Raum.

Manchen ist das zu viel Kitsch, besonders bei Anna Sara Lange, die den Christbaumschmuck wie üblich an den Ohren trägt. Prompt wird sie unhöflich angepöbelt: „Muss das unbedingt hängen bleiben oder kann es ab, do?“ Die diplomatische Antwort: „Ist etwas Englisches, kann meinetwegen weg.“

Überhaupt stehen britische Güter auf verlorenem Posten. Peter bettelt hardenackig um ein Interview mit Guardiola, ließ extra portugiesische Mou-see au Chocolat aus London importieren. Müh‘, Mou und Muse sind vergebens, Pep wendet sich angewidert ab. Wie ein Hempelmann springt da Frankens berühmtester SL-Moderator von der Waagrechten in den Stand, er war kurz eingenickt und hatte geträumt, dass (ein) Club Meister wird. Welch Dramaturgie! Kaum wieder aufnahmefähig, sieht er durch das Fenster eine Person ohne Metze und Handschuhe. Zumindest Letztere sind schnell beschafft, Ex-Torwart Lehmann sei Dank. „Sicher ist sicher“, ruft er seinem früheren Mitspieler zu, der wie ein begossener Pudelko das Haus betritt.

Reporter-Instanz Uli Köhler versucht, einem ausländischen Arbeitskollegen die bayerische Mentalität zu vermitteln. Er rekapituliert im Schnellverfahren die Historie des FC Bayern, kramt nette Anekdoten über journalistische Heldentaten beim FC Bayern hervor und orakelt die grandiosen Zukunftsperspektiven des FC Bayern. Born to be Norddeutsch, druckst der geflissentlich Gepeinigte angewidert eine rhetorische Frage hervor: „Hätte man den ganzen Kram nicht in Hamburg abhalten können?“

Nachdem Köhler ein flammendes Plädoyer über die Vorzüge der hiesigen Kultur angestimmt hatte, erlebt er den Rest des Abends im Keller. Allein. Michael Born vertreibt sich die Zeit bis zur erlösenden Abreise, indem er den dazugehörigen Schlüssel küsst. Dreihundertvierundsechzigmal. Einmal für jeden Tag des Jahres, wenn er dem Fegfeuer Bayern höchstens im Atlas begegnet. Oder der Bibel.

Ob aus dem Norden oder Südel, aus dem Osten oder Westen – Bis auf den HSV-Masochisten (und den urplötzlich vermissten Uli Köhler) zelebriert die Runde ihr geselliges Beisammensein, stört sich aber an der musikalischen Untermalung. Michael Leopold hat erst einen Vorschlag – mit möglichst bayerischem Akzent „Arsenal“ zu trällern – und dann, nach giftiger Ablehnung des Schlüsselküssers, einen Wunsch: „Wagner!“ Aus dem Plenum erntet er Applaus, nur Rheinländer Thomas verzieht bittersüß das Gesicht. Sein flapsiger Kommentar zu Leopolds Musikgeschmack, vorgetragen in tiefstem Bayerisch: „Ja, Mei – Nert halt, der Leo, Verrückter, Freak.“

Und es wird nicht angenehmer. Weihnachtsmann Fritz hat Knecht Ruprecht im Schlepptau, so viel Tradition muss bewahrt werden. Der Mann schaut nicht besonders freundlich, und in seiner Hand baumelt bedrohlich ein Kastrop. Unvermittelt wendet er sich an Sportskamerad Reif: „Bist du auch schön brav gewesen im letzten Jahr?“ Als dieser sich weigert, eine Antwort abzugeben („Das ist unseriöse Kritik“), streift Knecht Ruprecht beleidigt die Kapuze zurück und enttarnt sich als Béla Réthy.

Mit zunehmender Trinkaufnahme wandeln die Themen ins Philosophische. „So jung kommen wir nicht mehr zusammen“, trichtert Fjørtoft seinem Sitznachbarn ein. „Merk dir das.“ Der ausgebildete Zahnarzt behandelt die Wurzel: „Woran spürst du dein Alter, Jan Aage?“ Er trage es stets bei sich, versichert dieser, wie einen Zweitnamen sozusagen.

Beim achten Glas Glühwein realisiert die Combo Hellmann/Fjørtoft/Merk, dass etwas fehlt. Etwas Redseliges. Etwas, dass sie beim Samstagabendspiel in Nürnberg noch unüberhörbar begleitet hatte. Da schüttelt es den Star-Moderator: „Wo steckt eigentlich der Lothar?“ Bevor Michael Born um die Herausgabe des Kellerschlüssels bangen muss, klärt Burkhard Weber auf: „Der sitzt noch in Nürnberg am Spielfeldrand und wertet Bildmaterial aus“, berichtet er. „Aber die Partie war vor drei Tagen. Und heute ist doch Weihnachten“, entgegnet Hellmann beinahe mitleidig. „Richtig“, sagt Weber, „geweiht ist die Nacht. Da ist der Mensch augenscheinlich am Produktivsten, und deshalb werden bis morgen, wenn dies auch noch gefeiert wird, hübsche Grafiken mit vielen bunten Pfeilen gebastelt. Wir sind kein herkömmlicher Fernsehsender, wir sind Premium-TV. Der Zuschauer will wissen, warum beim achten Einwurf auf Höhe der Mittellinie ein marginal zu lasches Gegenpressing des diametral abkippenden Sechsers vorgelegen hat. Wir stehen unseren Kunden gegenüber in der Verantwortung, mithilfe modernster Technik eine detaillierte Analyse zu betreiben. Wofür haben wir schließlich Unsummen für diesen teuflischen Monsterapparat ausgegeben, wenn die Gegebenheiten nicht adäquat genutzt werden?“

Stille im Saal.

Rollo Fuhrmann will die angespannte Stimmung lockern: „Lisa, häkl uns doch was Schönes!“ Aber diese erkundet lieber ihr Gesichtsbuch. Hat schon viele Freunde hinzugefügt. Ruth Hofmann gefällt das nicht.

Der lebenserfahrene Weihnachtsgänger weiß, dass eine kritische Phase anbricht. Die Gläser sind leer, die Personen voll, die Bäuche ebenso, und die ursprünglich harmonische Atmosphäre droht in einen genervt-gereizten Zustand abzusacken. Oft werden im Eifer des Gefechts (und des Promillepegels) unangebrachte Vorwürfe laut, die einem nicht einmal leidtun, aber später, mit etwas Abstand – auch nicht. Jedenfalls erkennen die Koordinatoren, dass es höchste Zeit für die Bescherung ist.

Den Anfang macht die Speerspitze des gesprochenen Wortes: Santa TuT wedelt aufgeregt mit einem Päckchen herum. „Ü-ber-ragend“, findet Marcel Reif sein Sakko, das vorne rot-weiß und hinten schwarz-gelb gemustert ist, „woher wusstest du, dass genau das meine Lieblingsfarbe ist?“ Reif revanchiert sich bei Fritz mit einem, längst überfälligen, verifizierten Twitter-Account. „Für seriöse Kritik“, meint er, vor dem Spiegel posierend. „Mich deucht, ich wär‘ im Himmel“, strahlt Fritz und loggt sich unverzüglich ein. „Du bist nicht im Himmel, sondern bei Sky, dem Gipfel des Fernsehens“, korrigiert Reif. „Sag‘ ich doch: Hochgebirge“, metaphert Wolff Fuss.

Für ihn und Kai Dittmann liegt – von einem anonymen Spender – jeweils ein Rauchmelder unter der Tanne. Niemand kapiert etwaige Zusammenhänge, also verziehen sie sich in den Baumgartner – eine schnelle Zigarette könnte die Sinne vom Nebel befreien, glauben sie.

Jessica Kastrop ist begeistert, als ihr eine Katze namens Henry und ein Kanarienvogel namens Trezeguet überreicht werden. Roland Evers schenkt Marc Hindelang einen Friseurgutschein, dieser meldet Evers im Gegenzug bei Germany‘s Next Topmodel an. Wie du mir, so ich dir.

Uli Potofski hat die Spendierhosen an. Fernsehtochter Esther Sedlaczek lädt er zu einem Berlin-Spiel ein, um Weihnachten nicht noch hertha für sie zu gestalten. Dann kneift er Marco Hagemann in die Seite: „Hier, für dich. Damit aus dir auch einmal was wird“, sagt Potofski mit der Emphase eines Gelehrten. Argwöhnisch mustert Hagemann die Schalke-04-Kollektion. Noch ergriffener ist, wie könnte es anders sein, allein Michael Born. Nachdem er das Geschenkpapier umständlich gelöst und eine original bayerische Lederhose erblickt hat, kann er seine Tränen nur mit Mühe verbergen.

Als alle denken, dass es nicht noch emotionaler werden kann, schneit Sky-Boss Brian Sullivan, verkleidet als Fritz von Thurn und Taxis, in die Stube. Wie gewöhnlich mit Baseballschläger im Gepäck – falls jemand miesepetrig gelaunt sein sollte. Uli Köhler wittert vorsichtig Morgenluft.

Sullivan kommt unangemeldet, aber goldrichtig. Soeben war ein Disput innerhalb der femininen Ecke entbrannt: Ein beispielloser Rann auf die Rolle des Weihnachtsengels. Trotzig schob jede Anwärterin ihre – beiden – Argumente vor, einigen konnte man sich freilich nicht. Es haben sich schlicht zu viele junge, hübsche, vor allem fachkompetente Frauen im Team angestaut, um spontan eine einzelne Grazie herauszupicken. Als präventive Maßnahme zur Streitvermeidung werden die weißen Engelsflügel wie Sauerbier angeboten. Unter den Männern. Letztlich mutiert ein tapferer Außenreporter zum Bonengel.

Kurz vor der Festansprache von Baseball-Brian lallen die beschwipsten Gäste auf politischer Ebene. Man debattiert, ob Schäuble noch tragbar ist, so oft, wie er sich während der Dienstzeit am Dortmunder Trainingsgelände herumtreibt. Wulff ist ebenfalls ein Thema, immer noch, weil er ja ein bisschen Böschen war damals. Das kostete ihn das Amt des Bundespräsidenten, und überhaupt läuft es seitdem nicht mehr wirklich rund. Die gefräßigen Medien haben ihn zu Hacklfleisch zermalmt, dagegen brachte seine Ex ihre Schäferchen ins Trockene. Journalistische Phantasie treibt die Story weiter. Namentlich unerwähnte Sky-Moderatoren prusten, dass es ihnen bestimmt den (W)Rest gab, als zum „Fandangoing“ getanzt wurde – ekstatisch, wild! Aber verzichten wir an dieser Stelle auf Einzelheiten. Das ist nicht Knaussrig, sondern wäre bei Veröffentlichung ein Handicap für die Betroffenen. Außerdem gibt es noch eine andere bemerkenswerte Sequenz.

Nämlich die Chemie. Die stimmt bei der Verbindung von Ammon(iak) und dem Fernsehschirm. Stickig wie es in der Waldhütte ist, dürstet er nach Wasser, geht dann rasch ins Freie, merkt, dass er friert und grübelt, ob es im Keller wohl noch Köhler ist… Stoff, aus dem die Träume sind, ist auch Sky+, womit selbst an aufgezwungenen Abenden wie diesen kein Filmknaller verpasst wird. Ein Hoch auf den technischen Fortschritt. Oder, wie es Otto Rehhagel ausdrücken würde: Attack, Attack, Sky Go! Von Drateln und Feigen.

Der lästigen Pflicht folgend, schlendert Ammon zum Christbaum. Zufällig sieht er, wie Schmidt einen Carsten Bier an den Sportvor-Stand schleppt. Gemeinsam horchen sie Brian Sullivan, der nun sein selbst verfasstes Gedicht vortragen möchte. Doch die Gäste unterbrechen ihn. Sie sind neugierig, was sich im letzten verhüllten und zugleich größten Geschenk verbirgt. Sullivan klärt auf: „Das, liebe Freunde, ist das Champions-League-Paket! War nicht gerade billig. Aber ihr müsst es nicht heute öffnen, das hält sich, Ablaufdatum ist erst 2018.“

Champions Leauge. Hort der Sehnsüchte. Die Meute leidet an sportlichem Entzug, deshalb wird der Fernseher angeworfen. Sky Sport News HD soll, so die Prämisse, dem Zuschauer fixer Informationen liefern als dieser fähig ist, den Sendetitel auszusprechen. Meistens klappt das. Just im Moment des Zuschaltens zischt ein Schuss schnurgerade ins Kreuzeck, direkt in den Winkler. Eine Stimme aus dem Off verkündet: Tor, Ben Hoffmann. „Donnerwetter, das ist ein Ding! #HUIUIUI“, twittert Fritz geschwind.

Nun aber, Obacht, der Chef zupft seine Krawatte zurecht, räuspert sich einmal, räuspert sich nochmals (das signalisiert Wichtigkeit) und begibt sich auf dünnes melodisches Eis.

Ich möchte dieses Jahr besingen,
weil uns die tollsten Dinge gelingen.
Ein Highlight war dieser famose Abend im Mai,
auch ich war live vor Ort dabei,
und beobachtete aus der Ferne,
das tat ich übrigens sehr gerne,
wie Sky übertrug den Zwist der Sterne,
als Bayern schlug den Rivalen von Herne.
 
Weil sich die Deutschen in Wembley balgten,
konnten wir überteuerte Werbung schalten.
Champions-League-Finale, ein Ereignis, ein Knüller,
was für ein profitabler Lückenfüller!
Wir dürfen stolz sein auf Expertise und Qualität,
übertrugen von spät bis früh bis spät.
 
Außerdem haben wir geschafft,
was das Free-TV nicht rafft:
Fußball senden bis zum Erbrechen,
nicht das Spiel, auch nicht dessen Gebrechen.
Nein, wir haben es auf die Spitze getrieben,
die Interviews nicht auszusieben.
Spieler und Trainer sollen quasseln und plaudern,
den Öffentlich-Rechtlichen käme das Schaudern,
wir aber sind nicht normal –
wir sind was Besseres, wir sind genial!
 
Und so appelliere ich an Euch, verehrte Kollegen:
Mikrofon bereithalten, niemals verlegen.
Denn es geht nicht ums erbärmliche sportliche Streben,
es geht ums Reden, Reden, Reden.
 
So danke ich Euch für viel Gelaber,
finde das ganz und gar nicht makaber
und freue mich schon auf reichlich Palaver
in Brasilien, von der Copacabana!

 

Als Sullivan absetzt, verdrücken nicht wenige Mitglieder der Sky-Familie echte Tränen. Apropos: Der Mann unter der Linde, Markus heißt er, sitzt nach wie vor dort und führt die Anweisung von oben mustergültig aus: Er redet. Über Fußball. Sehr sachlich, sehr überlegt und, das ist elementar, sehr lange. Ein paar Meter weiter hat sich ein ähnlich begabter Wortakrobat in den Schnee gebuddelt, doch was merkwürdig anmutet, basiert auf simpler Grundlage. Der Kommentator wollte herausfinden, ob man es unkompliziert nachbauen kann, so ein Bett im Schnee-Velt: Man kann…

Ehe die Belegschaft in die laue Nacht entlassen wird, zieht Roman Steuer das finale Register, um sich den Vorgesetzten aufzudrängen – Worte statt Taten für ein geschichtsträchtiges 2014. „Wir wollen der erste Fernsehsender werden, der 25 Stunden am Tag überträgt“, trommelt er euphorisch. „Die Voraussetzungen sind gegeben. Wir haben ein junges, motiviertes, dynamisches Team sowie den Gottvater aller Experten für dieses Unterfangen. Franz Beckenbauer hat es nach eigener Aussage als bisher einziger Mensch dieses Planeten vollbracht, in einem Jahr 15 Monate tätig zu sein. Daran werden wir uns messen lassen, oh nein, messen lassen müssen!“

Sprach‘s und vertiefte sich in seinem Roman: Steuer(hat)recht.

Fröhliche Weihnachten.

Von Johannes Mittermeier und Florian Hellmuth

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