Fieldreporter – Ein Job, der absolut unterbewertet wird, dabei aber eine große Herausforderung ist – Das zeigten auch die letzten Tage!

In den vergangenen Tagen gab es Kritik an zwei Sky-Reportern, die Interviews mit Pep Guardiola führten. Nur auf diese beiden einzuprügeln, ist aber der falsche Weg. Wir reden hier über ein Kommunikationsproblem, welches es eigentlich gar nicht geben sollte!

Ein Fieldreporter zu sein, ist alles andere als eine leichte Aufgabe. Einem Gesprächspartner wirklich Neues zu entlocken, aus Interviews einen Mehrwert zu erarbeiten, genau das ist die Herausforderung eines guten Fieldreporters. Fragen wie “Wie fühlen Sie sich?” oder “Wie wichtig war der Sieg?” sind Phrasen, die man als Zuschauer kaum noch ertragen kann.

Aber wie weit darf ein Fieldreporter eigentlich gehen? Manchmal hat man das Gefühl, viele fassen ihre Gesprächspartner mit Samthandschuhen an, nur um keine Kritik zu bekommen oder gar seinen Job zu verlieren. Wenn Vereine sagen: “Den wollen wir nicht mehr”, dann ist das natürlich nicht Sinn der Sache. Es ist dennoch der Job eines Journalisten, auch mal knallhart nachzufragen, kritisch zu sein und wie oben beschrieben zu versuchen, mit einem Mehrwert für die Zuschauer aus einem Interview zu gehen.

Für Peter Hardenacke und Thomas Wagner von Sky ist diese Woche nicht besonders gut gelaufen. Beide haben einen guten Ruf in der Branche, wurden aber jeweils nach Interviews mit Pep Guardiola kritisiert. Böse getroffen hat es dabei Peter Hardenacke, der fast schon einen kleinen Shitstorm über sich ergehen lassen musste, nachdem er Pep zu massiv und mehrmals auf das Verhältnis zu Tito Vilanova befragte.

Hat Hardenacke einen Fehler gemacht? Ja, er hat einen Fehler gemacht. Er hätte spüren müssen, dass Guardiola nicht über das Thema sprechen möchte, zudem hat er das gesehene Spiel zu weit aus dem Mittelpunkt gedreht. Guardiola klopfte ihm daher auf die Schulter und ging.

Was war also passiert? Ein Fieldreporter ging zu weit. Im Internet forderten die ersten schon, den Sky-Fieldreporter zu entlassen. Warum? Weil er sich zu weit aus dem Fenster lehnte? Einen Fehler machte, vielleicht auch persönlich zu neugierig war? Was war es nun? Eigentlich nur eines… ein Fehler, nur ein Fehler. Der Mann, der sich damit am meisten beschäftigt, ist sicherlich Peter Hardenacke selbst. Er wollte viel und bekam wenig. So ist das Leben als Fieldreporter manchmal.

Im Grunde wurde das alles aber ziemlich aufgebauscht und überbewertet. Natürlich kann man sich darüber ärgern, mehr aber auch nicht.

Gestern Abend dann der nächste Fall – Thomas Wagner versuchte sein Glück bei Pep Guardiola. Man merkte einfach, dass Pep noch nicht so weit ist, um Interviews direkt nach dem Spiel in Deutsch zu geben. Pep spricht ohne Frage sehr gut Deutsch und hat vieles gelernt, dennoch zeigten die letzten Beispiele, dass es für Live-Interviews mit “Spielbesprechung” einfach noch nicht reicht. Via Twitter schrieben einige, wieso Pep seine Interviews nicht in Englisch oder Spanisch führt. Genau das wäre meiner Ansicht nach die beste Option, auch um den Zuschauern einen Mehrwert zu bieten.

Der Moderator oder Fieldreporter kann nur gut sein, wenn ihn sein Interviewpartner als Journalist auch ernst nimmt. Ein sinnloses Frage-Antwort-Spiel bringt niemanden weiter und ist schlichtweg nutzlos, vor allem wenn der Gefragte nicht darauf eingeht, vielleicht weil er die Frage nicht richtig versteht oder nicht weiß, wie er antworten soll.

So ein bisschen haben die Interviews mit Pep Guardiola etwas von einem großen Missverständnis, weil die Kommunikation auf Deutsch nicht so funktioniert, wie sie es sollte. Natürlich steht dann nicht Pep doof da, sondern der Fieldreporter, obwohl er im Grunde wenig dafür kann.

Mein Vorschlag daher: Lasst die Interviews mit Pep in Zukunft erst mal in Englisch oder Spanisch führen, um einen Mehrwert zu bieten und beide, also Pep und den Interviewpartner, gut ausehen zu lassen. Alles andere hilft einfach niemandem und ist Zeitverschwendung.

Generell möchte ich sagen, dass ich solche Fieldreporter mag, die unbequeme Fragen stellen, denn wie oben erwähnt, gehört genau das zum Job. Wer Angst vor Konsequenzen hat, weil er zu kritische Fragen stellen könnte, der hat eigentlich den falschen Beruf. Leuten in den Hintern kriechen, nur um gut anzukommen, davon gibt es genug in der Branche, aber genau die werden außerhalb ihrer Redaktion oder den Vereinen nie ernst genommen werden.

Kritikfähigkeit muss es geben, das gilt für Fieldreporter, für Trainer, aber auch generell für die Vereine.

Wenn sich nur noch alle lieb haben wollen, dann können wir in Zukunft auf Interviews verzichten und senden 34 Spieltage lang das Gleiche in Dauerschleife.

Geschrieben von Florian Hellmuth

5 Kommentare

  1. Also in der Hardenacke-Sache geb ich dir recht…nur bei dem Fall gestern finde ich es gelinde gesagt unglücklich, dass Pep ein Eigentor der Bayern auf Fehler analysieren soll. Es gab 3 andere Tore, gerade das 3. bei denen Fehler vorangegangen sind. Ich sehe das nicht als Kommunikationsproblem, eher dass Pep ja jetzt nicht den van Buyten in die Pfanne hauen kann, weil er den Ball 2cm zu weit links erwischt hat.

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  2. Schön geschrieben, Florian!

    Ich kann Fragen, die mit „Inwieweit…“, „Wie sehr…“, „Wie groß…“ beginnen, nichts abgewinnen. Der Interviewpartner faselt dann irgendwas vom Spiel („hartes Stück Arbeit“, „gekämpft bis zum Schluss“, „nicht kompakt genug gestanden“), das keinerlei Aussagekraft hat. Von dem her stimme ich dir voll und ganz du, dass nicht jeder ein guter Fieldreporter sein kann, denn dazu braucht es Kompetenz und vor allem Empathie. Ein Gefühl dafür, sich nicht mit zu laschen Plattitüden abwimmeln zu lassen, aber auch nicht den Bogen zu überspannen, wenn es heikel werden könnte. Und obwohl jedes Spiel bei 0:0 beginnt und 90 Minuten dauert, läuft es doch immer wieder anders. Die klassischen Phrasen-Fragen sind also fehl am Platz.

    Zu Pep: Ich finde sein Bemühen, in der Öffentlichkeit deutsch zu sprechen, toll und löblich. Allerdings hab ich ihn beim Telekom-Cup jeweils nach den Spielen gehört, das waren in der Tat keine Gespräche, die als Sternstunden in die Geschichte eingehen werden. Deshalb geb ich dir Recht: Pressekonferenzen auf Deutsch, Interviews nach Schlusspfiff – erstmal -in einer Sprache, die ihm erlaubt, etwas tiefgreifender zu werden.

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