Der Fußball im Jugendwahn – Geht das alles nicht zu weit?

Seit Tagen wird das Thema „Jugendwahn im Fußball“ heiß diskutiert – Muss man die jungen Spieler besser schützen?

Wird Charlie Jackson irgendwann ein Weltklassespieler sein? Das weiß niemand von uns, genauso wie heute niemand weiß, wer denn Charlie Jackson überhaupt ist. Charlie Jackson ist 5 Jahre alt und wurde Ende des letzten Jahres von Manchester United verpflichtet. In England war dieser „Transfer“ ein großes Thema und mittlerweile ist es das bei uns auch.

Holger Stanislawski hat mit 1899 Hoffenheim vor einigen Tagen einen 13-Jährigen verpflichtet. Der junge Spieler wechselt nun von Tennis Borussia Berlin nach Hoffenheim. Auch der VfL Wolfsburg hat mit Alexander Laukart einen 13-Jährigen verpflichtet, der im Sommer vom FC St. Pauli zu seinem neuen Verein wechselt. Laut „diesem“ Artikel verpflichtet der VfL Wolfsburg jedes Jahr rund fünf Jugendspieler aus der Ferne für seine U-15 Mannschaften. Verteidigt wird dieser Trend mit der Begründung, dass man auf Talente von außen angewiesen ist, da aus der eigenen Jugend zu wenig nachkommt.

Mit 13 Jahren sollte man eigentlich andere Ziele haben, als eben nur Fußball spielen zu wollen. Es ist nicht nur die Schule, die man nicht außen vor lassen sollte, sondern vor allem auch die Freiheiten seiner Jugend zu leben, zum Teil auch noch Kind sein zu dürfen. Wenn man als 13-Jähriger zu einem neuen Verein wechselt, dann ändert sich von einem Tag auf den anderen das komplette Leben. Man verlässt die alten Freunde, die alte Schule, vielleicht sogar die Familie. Man muss sich neu anpassen, sich neue Freunde suchen und hat ggf. Probleme in der Schule.

Vielleicht stellen die Vereine so eine Umstellung als sehr leicht dar, aber die Wirklichkeit sieht sicherlich zum Teil ganz anders aus. Der Fußball ist die Nummer 1 und es kommt vor allem auf Leistung an. Wer diese nicht bringt, der fliegt raus – Von daher gibt es von dieser Seite ebenfalls Druck. Im Alter von 13 oder 14 Jahren sollte die Schule die höchste Priorität haben und alles andere sollte nebenbei geschehen. Wer weit weg von zuhause lebt und z. B. in Wolfsburg eine Schule besucht, für den besteht sein Leben zu fast 100 % aus dem VfL Wolfsburg, auch wenn es aus dem Unterbewusstsein kommt.

Es gibt auf der einen Seite natürlich die Chance irgendwann ein Profi zu werden, viel Geld zu verdienen und für einen Top-Verein spielen zu dürfen. Aber wie viele von den jungen Spielern schaffen diesen Sprung? Wie viele fliegen irgendwann raus, haben Jahre lang gekämpft und stehen nun ohne Geld oder Perspektive da. Haben diese Spieler dann alle einen Plan B wenn es nicht klappt? Einen Realschulabschluss, Abitur oder ähnliches? Hat man diesen nicht, dann fängt man von vorne an und muss sich erneut beweisen.

Ein Faktor, den man nicht herunterspielen sollte sind die Eltern – Wie viele wollen, dass ihr Sohn Profi wird und pushen oder manipulieren ihn dahin, dass er glaubt, dies auch zu schaffen. Vielen Eltern sind diese Eurozeichen in den Augen anzusehen. Was viele aber vergessen: Es geht hier um junge Menschen, denen zum Teil gesagt wird, wie sie ihr Leben zu führen haben – Spätestens dann hört der Spaß auf.

Andere Frage – Kann ein junger Spieler mit 12, 13 oder 14 Jahren so eine Entscheidung alleine fällen? Ich denke nicht, denn der letzte Impuls kommt entweder vom Verein oder den Eltern. Ich würde eine Regelung einführen, dass junge Spieler erst ab „16 Jahren“ so eine Entscheidung treffen dürfen. Mit 16 Jahren ist man alt genug um selbst zu entscheiden und sich einschätzen zu können. Wenn man dann zu einem großen Verein wechseln möchte, dann ist das sicherlich kein Problem. Vorher sehe ich das sehr kritisch. Momentan können die Vereine und die Eltern scheinbar tun was sie wollen, vielleicht gibt es irgendwann eine Regelung, die diesem „Wahn“ ein Ende setzt.

Kommen wir zum Schluss nochmal zu Charlie Jackson. Ich frage mich wie ein Verein oder Talentscouts an einem „5-Jährigen“ sehen, wie sich dieser in der Zukunft entwickelt. Kann man das überhaupt? Angeblich hatte Manchester United bereits Interesse an dem Jungen, als er drei Jahre alt war. Ich weiß nicht wie es euch dabei geht, aber ich finde das einfach nur krank. Man bestimmt so über die Zukunft eines Menschen, der überhaupt nicht weiß, wie ihm geschieht. Geht es denn nur noch ums Geld? Wieso lässt man den Menschen nicht erst mal „Mensch“ sein bzw. sich zu einem entwickeln, bevor man Entscheidungen für jemanden trifft, der diese „heute“ überhaupt noch nicht verstehen kann.

Wenn das die Zukunft dieser wunderbaren Sportart ist, dann schaue ich demnächst lieber Schach.

Geschrieben von Florian Hellmuth

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