Der Blog am Sonntag – ‎6. März – „Robbery“ zu kreativ für das Spiel der Bayern? Eine Analyse & Mehr!

Hallo liebe Leser,

vor etwas mehr zwei Wochen waren es die Bayern in Mailand, die uns Fußballfans mit wirklich sehr attraktivem Fußball verzauberten. Wer von uns hätte gedacht, dass diese Mannschaft, die uns in der Champions League so gut unterhalten hat, nach eben diesem Spiel so einbrechen würde? Die letzten drei Partien gingen verloren. In der Bundesliga zuhause gegen den BVB, einige Tage später ebenfalls in der Allianz Arena beim Pokalspiel gegen Schalke und gestern in der AWD-Arena gegen Hannover. Natürlich muss man konstatieren, dass alle drei Gegner keine Hinterhofmannschaften waren und das die Bayern zwei Mal in der Woche spielen mussten, dennoch sollte man meinen, dass eine Mannschaft wieder der FC Bayern mit der Doppelbelastung umgehen kann.

Aber woran liegt es, dass man die letzten Spiele unbefriedigt gestaltet hat? In einem Eintrag vor dem Spiel der Bayern in Mailand, habe ich eine treffende Anmerkung gemacht. Ich habe daran erinnert, dass die Bayern einbrechen, wenn sie Druck bekommen, wenn der Gegner mitspielt. Gegen Inter hat man zwar nicht immer das Spiel bestimmt, es ging eher hin und her, aber man hat sie beschäftigt. In den Spielen gegen Dortmund, Schalke und Hannover hat man den Gegner spielen lassen. Es ist kein Geheimnis, dass sie hinten dran nicht besonders solide aufgestellt sind. Die Schwachstelle ist ohne Frage die Verteidigung.

Auch wenn ich mir damit keine Freunde mache, könnte ein Grund für den Misserfolg das Aufstellen von Ribery und Robben sein. Beide sind tolle Fußballer, dass ist unbestritten. Ribery soll wie gewohnt im linken und Robben im rechten offensiven Mittelfeld spielen. Es ist wie eine Zange, die dann zuschnappen soll. Durch ihre Schnelligkeit und ihren Ideenreichtum sind sie immer gefährlich und wissen, wie sie ihre Mitspieler perfekt einsetzen können. Dennoch ist es irgendwann zu viel mit Ideen, mit Kreativität. Beide sind manchmal relativ eigensinnig, wenn es nicht gut läuft, dann sind sie zu verspielt, wollen alleine das Spiel drehen.

Das Problem ist meiner Meinung nach, dass beide Defizite in der Rückwärtsbewegung haben. Man merkt ihnen einfach an, dass sie Offensiv-Spieler sind. Aber ein Spiel findet eben nicht nur in der Offensive statt und wenn man dann eine Abwehr hat, die nicht besonders sicher ist und die Spieler, die dann mit zurückkommen nicht ordentlich verteidigen, bzw. gegen den Ball spielen, dann wird es schwer mit der Verteidigung.

Kommen wir zurück zu meiner These, dass die Bayern einbrechen, wenn sie zu viel Druck bekommen. Wenn Ribery und Robben mit nach hinten kommen, dann greifen sie meist nicht richtig an oder laufen nur nebenher. Das bringt dann auch Platz für die Offensive der gegnerischen Mannschaft. Auf dem Feld sieht das dann so aus:

Wer bleibt übrig, wenn Robben und Ribery nicht mitlaufen oder die Defensive vernachlässigen? Da spielten gestern Kroos und Pranjic. Kroos ist nicht unbedingt jemand für die Doppel-Sechs, gerade wenn es eben auch darum geht, in der Verteidigung auszuhelfen. Ich sehe ihn eher in der Offensive. Schweinsteiger konnte wegen einer Gelb-Sperre gestern nicht auflaufen. Daher gab es eben Kroos und Pranjic im Mittelfeld. Interessant dabei, dass Pranjic im Pokal gegen Schalke noch Verteidiger war. Er kann zwar beides spielen, dennoch belegt diese Situation, dass die Bayern in der Breite nicht gut besetzt sind. Mit Mark van Bommel haben sie dann einen wichtigen, vielleicht sogar den Spieler, der die Mannschaft auf dem Platz zusammengehalten und auch irgendwie positioniert hat abgegeben. Man sieht auf dem Feld viele Fehlpässe und Missverständnisse, die Zuordnungen stimmen oft nicht und es ist ein durcheinander. Man hat die Wichtigkeit van Bommels bei seinem Wechsel zum AC Mailand unterschätzt, denn er war nicht nur der Leader der Mannschaft, sondern auch ein wichtiger Mann im Mittelfeld. Diese Position besetzt nun niemand so richtig, fällt Schweinsteiger aus, geht aus dem Mittelfeld fast nichts.

Man muss sich in München gefallen lassen, dass man im Sommer, wie auch im Winter zu wenig getan hat. Wichtige Spieler sind gegangen und einen echten Ersatz gab es auch nicht. Nach der WM waren dann einige Spieler auch nicht auf der Höhe und darunter leiden die Bayern auch heute noch. Ein Thomas Müller, der uns bei der WM so viel Spaß gemacht hat, ist kaum noch zu sehen. Ein Schatten seiner Selbst.

Auch an der Einstellung gibt es sicherlich einige Defizite. In der letzten Saison hat man fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Heute verliert man Spiele, ist nicht ganz oben, es läuft einfach nicht. Das sind alles Dinge, die am Selbstvertrauen kratzen. Der Respekt der Gegner ist nicht mehr so groß, wie im letzten Jahr, das merkt man in vielen Spielen. Es war immer so, dass die Bayern das Spiel gemacht haben, der Gegner nur agiert hat. Heute beobachtet man, dass eben auch die Gegner mitspielen, sich etwas zutrauen und das ist eben das, was die Bayern nicht gewohnt sind, vielleicht sogar überrascht.

Man könnte noch einige Punkte aufzählen, aber das würde den Rahmen sprengen. Wir werden sehen, wie es mit der Mannschaft und vor allem mit dem Trainer weitergehen wird. Den Trainer und den Menschen Louis van Gaal haben wir mit der Zeit einfach lieb gewonnen und ich würde ihn gerne noch ein bisschen in der Bundesliga sehen. Schaut man auf die letzte Saison, dann hat er uns bewiesen, dass er nicht nur ein Feierbiest sein kann, sondern auch ein guter Trainer. Ob er noch der richtige für die Bayern ist, dass müssen andere entscheiden.

Geschrieben von Florian Hellmuth

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